Beschreibung

Hier sollte eigentlich eine Inhaltszusammenfassung stehen. Also quasi unsere Schatzsuche in kurzen Worten. Dass ich und Cleo ein altes römisches Pergament gefunden haben, zum Beispiel. Und dass wir heimlich nach Italien gefahren sind, um unter entsetzlichen Gefahren und psychischen Höllenqualen den Schatz zu suchen.
Aber ich weiß gar nicht, ob ich Lust habe, das Ganze nochmal (!!) herzubeten. Und dann soll ich auch noch drüber nachdenken, was da besonders wichtig war und was man getrost weglassen kann. Da hab ich doch echt keine Ahnung davon. Ich erinnere mich an einen ausgezeichneten Steckerlfisch, den ich unterwegs gegessen habe. Und an ein paar schöne Tage mit einem italienischen Mädchen – aber da zerreißt mir Cleo das Papier, wenn ich schon wieder von ihr anfange.
Er meint ohnehin, dass es keinen Sinn macht, immer dasselbe zu erzählen. Er sagt, ich solle die paar Zeilen hier nutzen, um ein Kochrezept niederzuschreiben, das teilweise auf seinem Mist gewachsen ist. Es heißt „Cleos Püreebazis“. Er ist mächtig stolz auf seine Püreebazis, dabei handelt es sich eigentlich nur um ein ganz normales Bratwurst-Sauerkraut-Kartoffelbrei-Gericht. Nur dass das Sauerkraut mit Gänseschmalz angebraten und der Kartoffelbrei mit ausgelassenen Speckwürfelchen verfeinert wird.
Das kann ich euch nur empfehlen, das schmeckt endlecker. Cleo ist, wie er sagt, gezwungen, immer wieder neue Kochrezepte zu erfinden, weil er als Vegetarier ja nur eine begrenzte Auswahl an Speisen hat. Das kommt uns allen zugute.


Hochachtungsvoll
Hugo



Illustrationen (Auswahl)


Leseprobe

Also, mein Name ist Hugo Ramsauer. Eigentlich heiße ich Hugo Emmanuel Heinrich Otto-Karl Ramsauer, nach meinen Vorfahren. Aber das musst du dir nicht alles merken. Den Nachnamen habe ich von meiner Mama, die schon seit Generationen Ramsauer heißt. Mein Papa heißt Anders, weil der sich ums Verrecken nicht von seinem Mädchennamen trennen wollte.

Also ich meine, er heißt auch anders als ich, meine Mama und meine Schwester, aber er heißt außerdem wirklich „Anders“ mit Nachnamen. Aber weil dieser Name so blöd ist und immer zu Missverständnissen führt, haben meine Eltern entschieden, uns Kinder Ramsauer zu nennen. Das heißt wiederum, dass ich niemals in folgende Situation kommen werde:

Lehrer: Wie spricht man deinen Nachnamen richtig aus, Hugo?

Hugo: Anders.

Lehrer: Ja, aber wie?

Hugo: Anders.

 

Ich trage nachts eine Zahnspange und habe schwarze Haare. Für mein Alter bin ich ziemlich groß, schon fast so groß wie meine Mama. Das liegt auch daran, dass ich erst mit sieben Jahren eingeschult wurde und nicht schon mit sechs wie mein bester Freund Cleo, der eigentlich Johann Reuther heißt. Er hatte sich uns am Anfang der fünften Klasse als Cleopatra vorgestellt, weil er fand, dass dieser Name nur so vor männlicher Urgewalt strotze. Da hatte unser Lehrer einen Lachanfall bekommen und uns erklärt, dass Cleopatra aber eine Frau, eine Pharaonin aus Ägypten gewesen wäre. Da errötete Cleo und wir lagen auf unseren Bänken vor Lachen.

In der Pause hatte uns Cleo aber erklärt, er habe sichere Belege dafür, dass es schon vor der Zeit der Pharaonen einen männlichen, vollbärtigen Cleopatra gegeben habe, der immer in seiner Mittagspause durch den Dschungel getrampelt sei, um Schlangen und Säbelzahntiger mit bloßen Händen zu erwürgen. „Mit den Säbeln hat er dann so viele Mammuts kaltgemacht, dass sie gleich ausgestorben sind. Cleopatra selbst war aber Vegetarier. Er aß nur Heidelbeeren und tötete die Tiere nur zum Training!“

Das war so cool, dass uns allen der Atem wegblieb.

Also konnte Cleo seinen Namen behalten, ohne dass sich jemand noch darüber lustig machte. Er selbst ist Vegetarier, genau wie sein bärtiger Namensvetter. Zumindest behauptet er stur, er sei Vegetarier. Auch wenn ich seine persönlich festgelegten Regeln zum Vegetarismus etwas fraglich finde. Zum Beispiel isst Cleo die Haut von Hendln und Chicken Wings ohne schlechtes Gewissen, weil er sagt, dass Haut ja kein Fleisch sei. „Dann dürften Vegetarier auch keine Milch und keinen Pudding essen, denn da ist ja auch Haut drauf!“

Das leuchtet ein. Was ich persönlich aber nicht nachvollziehen kann, ist, dass mein Freund regelmäßig Wurst isst. Er behauptet, dass niemand genau wisse, was in so einer Wurst drin sei. „Ich bin doch nicht bescheuert und verzichte mein ganzes Leben auf Wurst und dann sagt mir irgendein dahergelaufener Wissenschaftler kurz vorm Tod, dass da gar kein Fleisch drin ist!“

Den Vegetarismus hat Cleo ursprünglich von seinem seligen Hund, einem Husky, abgeschaut. „Der hat nur Knochen gefressen und Knochen sind kein Fleisch. Also war er ja auch Vegetarier!“ Überhaupt ist sein Hund, den vor fünf Jahren angeblich die Maul- und Klauenseuche dahingerafft hat, sein großes Vorbild. Er hätte dem kleinen Baby-Cleo zum Beispiel das Laufen beigebracht. Außerdem wäre Cleo auf dem Hund immer in den Kindergarten geritten, sagt er. „Da habe ich einfach einen Knochen an der Angel vor seine Schnauze gehalten und mich mit der anderen Hand an seinen Schlappohren festgehalten.“

Seltsam, dabei haben Huskys gar keine Schlappohren.

Heute hat Cleo kein vierbeiniges Haustier mehr, nur noch ein Aquarium. Ich habe ein Terrarium und da ist eine modergrüne Schildkröte drin, die ich nach dem Tod meines Großonkels geerbt habe. Sie heißt Sancho Panzer und ist selbst so alt, dass sie manchmal tagelang in ihrem Panzer verschwindet und erst wieder herauskommt, wenn man mehrmals höflich anklopft. Meine ständige Angst ist, dass sie dort irgendwann mal zum Sterben verschwindet, ich sie dann nach Tagen hochnehme und mir plötzlich ein blankes Schildkrötenskelett entgegenfällt.

Cleo hatte bis neulich noch viele Fische in seinem Süßwasseraquarium gehabt: Barben, Neons und Welse. Dann wollte er ihnen etwas Gutes tun und hat lebendige Minikrebse als Futter für sie gekauft. Du weißt schon, lieber Leser, das sind diese Krebse, die man auch selber züchten kann – die gibt’s in der Zoohandlung in kleinen Wassertüten zu kaufen. Cleo hatte gleich zehn solche Tüten gekauft, damit seine Fische sich richtig sattessen könnten. Was er aber nicht bedacht hat, war, dass die Minikrebse ja im Salzwasser leben. Er hat also zehn Tüten Salzwasser in sein Aquarium gekippt, worauf alle Fische sofort gestorben sind. Die Krebse wiederum vermehrten sich ungezügelt und fraßen nach ein paar Tagen die toten Fische auf. Cleo hat sich seitdem an seine neuen Haustiere gewöhnt und kauft nun regelmäßig Fischfilet für seine hungrigen Krebse.