Die Legende von der heiligen Nakusa

Das indische Märchen erzählt die Lebensgeschichte Nakusas, die im Ganges ertränkt werden soll, von der Göttin Sarasvati aber errettet und von den weisen Orang-Utans aufgezogen wird. Im Laufe ihres Heranwachsens im Dschungel erfüllt Nakusa nach und nach die hinduistischen Lebensziele und tastet sich zunehmend an die Größte aller Weisheiten heran – was gleichermaßen das Herzflimmern und den Zorn Shivas erregt, der sich seit dem Tod seiner göttlichen Gattin Sati geschworen hat, sich nie wieder zu verlieben.


Des Menschen arme Seele

Nach der unverhofften Begegnung mit einem Meermädchen ist ein junger Bootsverleiher verrückt vor Liebe. Sie will ihm ihr Wasserreich zeigen, doch seine Seele zieht ihn wieder und wieder Richtung Wasseroberfläche. Er begreift: Wenn er bei ihr bleiben will, muss er seine Seele loswerden.


Treu-Ingvild und der Inseltroll

Dass ihr Ehemann tot sein soll, kann Ingvild nicht glauben, zumal sie den jungen Walfänger, der dem Mahlstrom zum Opfer fiel, noch immer aus einer Muschel sprechen hört. Um ihn wiederzufinden, versucht sie zum Meer zu gelangen – durch die Arglist einer Elfe gerät sie jedoch auf das Schloss des grässlichen Inseltrolls.


Der Sängerwettstreit oder Das verfluchte Jungfernloch

Das Märchen erzählt die Geschichte der Prinzessin Elsbeth, deren Hand beim Sängerkrieg von dem abscheulichen Riesen Klabbaf gewonnen wird, nachdem jener den schöngeistigen Mondprinzen verhexen lässt und dessen Liebesdichtung auf seine eigene Fahne schreibt. Die Prinzessin weigert sich aber, die Ehe als gottgewollt anzuerkennen, solange der Riese am Freitag nicht dasselbe isst wie sie. Doch nachdem er ihr statt eines Fisches heimlich den Schwanz einer Nixe und sich selbst deren obere Hälfte vorsetzt, scheint der grässlichen Entjungferung nichts mehr im Wege zu stehen.


Das Räuchermännchen – Ein Weihnachtsmärchen

Kriegsweihnacht 1942. Um sich von seiner depressiven Mutter zu befreien, verlässt der kleine Richard die eisige Dachgeschosswohnung – nur um sich kurz darauf von Wotan und der Wilden Jagd verfolgt zu sehen. Eine Geschichte über die Kraft von Tannengrün, Kerzenlicht und Weihrauch in der Finstersten aller Zeiten.


Neptun – Das verbotene Epos der Sumerer

Unerbittlich besteht König Melim-anna von Uruk auf dem Recht der ersten Brautnacht, ohne vom zunehmenden Frust seines Volkes oder den Ratschlägen seiner Vertrauten Notiz zu nehmen. Um dessen Grausamkeiten zu entgehen, beschließt Dumu-ugen, sich umzubringen – doch die Schöpfungsgöttin Namma vereitelt ihren Plan und birgt die angehende Braut in der Mitte des Salzmeeres. Als der König bei der Seefahrt dorthin auf mysteriöse Weise verschwindet, begibt sich zuletzt der Hymnendichter Mesch-ursang auf die Suche nach den Verschollenen. Doch hat er weder mit dem Seeungeheuer, das die Jungfer bewacht, noch der grenzenlosen Eifersucht der Liebesgöttin Inanna gerechnet. Ganz zu schweigen von Dumu-ugen selbst.


Germania, geflickte Vettel, mit dem Auswurf schwarz-rot-gold

Das Kunstmärchen ist die Dystopie eines Internats, in dem die Liebe als Unwort und Schwachstelle eines funktionierenden Systems ausgemerzt werden soll. Die Geschlechter werden konsequent voneinander getrennt und allein am „Tag des Aktes“ für wenige Minuten zusammengeführt. Der introvertierte Schorsch und Marie, ein forsches Mädchen mit tiefschwarzen Augen, verlieben sich aber doch. Da sie kein Wort miteinander sprechen dürfen, findet die Verständigung fortan auf Zetteln statt, in der ständigen Angst, von der Internatsleitung Frau Dr. Germania ertappt und gezüchtigt zu werden. Als Marie schwanger wird und die Tauglichkeit der Jungen – allen voran für den Kriegsdienst – erwogen wird, beschließen Schorsch und Marie, dem System zu entfliehen.


Fantaghirò wohlgestalt

Nacherzählung des toskanischen Volksmärchens „Fantaghirò Persona Bella“, das von Prinzessin Fantaghirò handelt, die anstelle eines Generals in Verhandlung mit einem feindlichen König tritt – und ihm nebenbei den Kopf verdreht.


Selim Šīrāzī und das Mirabellenmädchen

Die Geschichte „aus 1001 Nacht“ erzählt vom schüchternen Jüngling Selim Šīrāzī, der mit poetischen Liebesbekundungen vergeblich das Herz der königlichen Mätresse Merve zu erobern sucht – sie aber beim unverhofften Schmecken ihrer Weiblichkeit als die vom Sultan gesuchte Mirabellendiebin entlarvt.


Die blutige Sichel der Luz

Ein Märchen von der Ofenbank über das Treiben der Rauhnachtshexe Luzia – die Schiache Luz genannt –, die ein bayerisches Dorf in Angst und Schrecken versetzt.


Pluto – Eine düstere Eiszeit-Romanze

Gefleckte Hyäne, ein junger Eiszeitjäger, trifft nach Jahren der Trennung seine Jugendliebe Wilder Schwan wieder, die abgeschieden von ihrem Stamm als Jägerin und Höhlenmalerin lebt. Seine Versuche, sie zu erobern, scheitern, denn Wilder Schwan hat sich einzig und allein dem Gott der Künste, Elian mit dem Löwenkopf, verschrieben. In der Verkleidung eines Löwen gelingt es dem Verliebten aber doch, ihr näherzukommen, und das Glück ist zum Greifen nahe. Wäre da nicht der gewaltbereite Nebenbuhler – ganz zu schweigen von dem Seelenklauber Gilmors, dem Gott der Unterwelt, der Gefleckte Hyäne ebenfalls mit dem Löwengott verwechselt ...


Zwischen den Jahren – Ein Weihnachtsmärchen

Auf der Jagd nach seinem jäh zum Leben erwachten Selfie-Stick gerät der notorische Selbstverwirklicher Lukas, nach einem Weihnachtsabend im Familienkreis, in das Geäst des Christbaums. Auf der anderen Seite findet er sich in einer märchenhaften Winterlandschaft voll bizarrer Erscheinungen und Gesetzmäßigkeiten … und in Kindergestalt wieder. Sich seinen beiden Neffen Lorenz und Vitus anschließend, die auf der Flucht vor einem grauenerregenden Hexenweib durch die nächtliche Landschaft irren, eröffnet sich ihm ein Weihnachtsabenteuer, so wahnwitzig und wunderbar, wie es allein dem kindlichen Spiel zu entspringen vermag.


Kymo flüstert ... – Eine Götterdichtung

Die von Sehnsucht, sexuellem Verlangen und Nihilismus getriebene Nereïde Kymo verliebt sich in den strahlenden Dichter Photeinos, der sich ihr, in dem Moment, wo sie sich ihm hingibt, als schwarzer Satyr offenbart. Während sich das Versepos einerseits an Ovids Metamorphosen anlehnt, indem es eine in Versen verfasste antike Sage vortäuscht, stellt die Abgeschlossenheit der Kapitel, vor allem aber deren Abgründigkeit eine Hommage an Baudelaire dar.


Wo's Götterwei strawanzen tuat – Bairisches Versepos

Eben der Guillotine entflohen, macht der Wilderer Hiasl in der Wolfsschlucht eine unerwartete Entdeckung: Die römische Jagdgöttin ist ihm in die Bärenfalle getreten. Als Dank für ihre Befreiung entlohnt ihn Diana mit einem Zauberring, der ihn während der Jagd Tiergestalt annehmen lässt. Als Hiasl bei einem seiner Streifzüge seine Geliebte im Arm seines Erzfeindes, einem adeligen Jäger, beobachtet, will er sich das Leben nehmen. Mit Blick auf den Zauberring an seinem Finger kommt ihm zuletzt aber ein rettender Gedanke …