Vom König und der Wassernixe.

(veröffentlicht in „Versepen.“)

 

 

I.

 

Fernab der königlichen Zinnen
stand der Jüngling still im Rohre.
Schwäne füttern war sein Sinnen
und die Einsamkeit im Moore.


Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
die Schwäne hoben ihre Flügel.
Denn aus schwarzen Tiefen quoll
die Wassernixe durch den Spiegel.


Ein feines Tropfennetz bedeckte
lieblich ihre satten Brüste!
Ihre Wohlgestalt erweckte
in dem jungen König Lüste.


Sie rief: „Mein Tümpelbett ist weich
und tief mein Wasserlilienreich!
Reck dich herüber ohne Bangen
und ich stille dein Verlangen!“


Verlockend drang das süße Schnarren
an das grünlich-junge Ohr.
Ein kühler Wind ließ ihn erstarren:
Heftig bebte er und fror.


„Reckst du dich, so schmeckst du mich!“,
sprach das Weib und kämmte sich.


So blass der Leib auf glatter Schwärze!
Nur so klein der Schritt zur Tiefe!
Ach! es sprach des Königs Herze,
dass es gern da unten schliefe!


„Reckst du dich, so schmeckst du ...“ – Hei!!
Da plötzlich fuhr ein Schwan herbei!
Hob stolz sein Haupt, sang Melodien,
der Nixenspuk ertrank darin.


Beharrlich sang der Schwan die Lieder;
schließlich ward die Nixe bleich.
Mit Flüchen tauchte diese nieder
in ihr nasses Königreich.


Sowie das schwarze Wasser kreiste,
stand der König steif und starr,
dieweil es ihm beglückt im Geiste
und bedrückt im Herzen war.


Doch sein Gemüt gab schließlich nach,
bald lachte er im Schilfgefilde!
Drauf den Schwan der König sprach
zu seinem Vor- und Gottesbilde.

 

 

 

II.


Die Herrscherjahre schritten zäh,
der Wunsch nach Einsamkeit bestand.
Und tat das Herz dem König weh,
stieg er hinab zum Uferrand.


Der König schauderte im Schilfe,
wenn das Wasser sich erhob.
Nur einmal, als kein Schwan zur Hilfe,
aus dem Teich die Nixe stob.


Erneut lud diese mit Getön
und mit verspieltem Händewinken
und dem Busen, reich und schön,
ihn ein, zum Teichesgrund zu sinken.


Des Königs aufgereizten Leib,
die Bö des Geistes kühlte ihn.
Und endlich sang er zu dem Weib
Gedichte, Lieder, Melodien.


Mit welchem Zorn die Nixe wich!
Oh! wie die schwarzen Fluten wallten!
Doch der König konnte sich
mit Liedern über Wasser halten.


Die Nixe kam noch oft hervor,
noch einmal, nochmals, immer wieder.
Doch er schenkte ihr kein Ohr,
da er Gedichte sang und Lieder.


Aus diesem Grunde meinte er,
dass künftig er doch sicher wär.
Doch dachte er zuweilen bang:
Poesie ist Schwanensang!

 

 

 

III.


Als eines Tags nach vielen Jahren
in dem Schlosse dicke Luft
und Ängste im Monarchen waren,
stieg er in die Wanderkluft.


Zerstreut stieß er im grünen Hain
auf ein verborgenes Gewässer.
Wenn auch seufzend zwischendrein,
so fühlte er sich gleichwohl besser.


Doch wieder barst der Teich entzwei!
Und aus den beiden Wellenmauern
fuhr die Nixe rasch herbei,
dem armen König aufzulauern.


„Entferne dich von deinem Posten,
meine zarte Haut zu kosten!“


„Satanischstes der Frauenzimmer,“
schrie der König, „scher dich fort!“
Sie rief: „Ich weiche nimmer, nimmer;
viel zu einsam ist es dort!“


Mit Liedern wollt‘ er sie ermatten,
doch er fühlte sich gehindert,
denn die tiefen Ängste hatten
seinen Liederschatz geplündert.


Die kalte Nixe voller Gier
begann nun, lachend loszulegen:
„Schöner König, beug dich mir!
Beug dich mir entgegen!“


Kein kühler Wind tat heute schwingen,
seinem heißgelaufnen Herze
etwas Frische darzubringen.
Weh!! es füllte ihn die Schwärze!


Er bebte, strauchelte sogleich,
verlassen von den Melodien
fiel er zum Schlusse in den Teich.
Die Wassernixe packte ihn
und zog hinaus ihn in die Flut.
Sie tauchten ab
zum Tümpelgrab.
Droben blieb der Hut.