Sappho und das Glück.

(demnächst veröffentlicht in „Uranus.“)

 

 

Winterefeu, flüchtiges Taubenschwänzchen.

Alles, was ich ringsherum sehe, dauert.

Kurze, lange Zeitspannen, aufgeschichtet

über und über.

 

Zu den Göttern stieg ich empor, beschwor sie:

Zeigt mir, was nicht dauert und dennoch da ist,

jenen Unsichtbaren, der Linien bildet!

Zeigt mir den Zeitpunkt!

 

Doch die Götter spotteten meines Wunsches:

Kehre um! Olympisch verklärte Sphären

können dir den Zeitpunkt nicht sichtbar machen.

Wir sind das Immer.

 

Zu den Toten stieg ich hinab und brüllte:

Zeigt mir, was nicht dauert und dennoch da ist,

jenen Unsichtbaren, der Linien bildet!

Zeigt mir den Zeitpunkt!

 

Doch die Toten spotteten meines Wunsches:

Närrin! Die plutonisch verrauchten Sphären

können dir den Zeitpunkt nicht sichtbar machen.

Wir sind das Nimmer.

 

Zu den Menschen, Bäumen und Bestien sprach ich:

Zeigt mir, was nicht dauert und dennoch da ist,

jenen Unsichtbaren, der Linien bildet!

Zeigt mir den Zeitpunkt!

 

Und die Menschen, Bäume und Bestien sprachen:

Suche nicht bei andern, nur bei dir selber,

was da Punkt um Punkt eine Linie bildet.

Glück heißt der Zeitpunkt.

 

Also lag ich jahrelang auf der Lauer.

Plötzlich war es da und ich fuhr zusammen,

weitete die Augen, es zu betrachten.

Da war’s verschwunden.